04.09.2026: Sind wir genug für unsere Pferde?

Oder sind wir längst gefangen in dem Gedanken, dass wir imer noch mehr tun müssten?

Mehr Zeit.

Mehr Training.

Mehr Ausritte.

Mehr Beschäftigung.

Das perfekte Futter.

Die perfekte Haltung.

Die perfekte Versorgung.

Und während wir versuchen unseren Pferden all das zu geben, versuchen wir gleichzeitig noch ein ganzen anderes Leben zu stemmen.

Vollzeitjob.

Familie.

Kinder.

Haushalt.

Termine.

Stunden im Auto.

Verantwortung.

Und irgendwo dazwischen: Der Stall

Wir hetzen von A nach B, kommen müde am Stall an und haben trotzdem dieses Gefühl:

„Das reicht nicht“.

Vielleicht war heute nur Zeit zum Füttern und Misten. Vielleicht wurde aus dem geplanten Training ein kurzer Spaziergang. Vielleicht stand dein Pferd heute einfach nur da und du hattest keine Kraft mehr für irgendwas. Und während du nach Hause fährtst denkst du:

„Mein Pferd hat doch Besseres verdient“.

Ich kenne dieses Gefühl. Abby und Finlay sind seit ihrer Geburt bei mir. Sie kennen mich. Nicht nur die Version von mir, die ich gerne zeigen möchte. Sie kennen meinen guten Tage, meine schlechten Tage. Die Tage, an denen ich voller Energie bin. Und die, an denen ich einfach nur müde bin. Ich kann ihnen nicht vorspielen. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich einfach anschauen und sagen: „Hey… uns geht es gut. Ist doch alles gut so, wie es ist“.

Vielleicht wissen unsere Pferde manchmal viel besser als wir, wann genug ist. Vielleicht brauchen sie nicht jeden Tag das Trainingsziel, die perfekte Beschäftigung oder das Gefühl, dass wir noch etwas leisten müssen. Vielleicht brauchen sie manchmal einfach uns. Unsere Nähe. Unsere Verlässlichkeit. Unsere Aufmerksamkeit. Und vielleicht auch unsere Fähigkeit, einfach mal stehen szu bleiben. Denn was, wenn „genug“ nicht bedeutet jeden Tag alles perfekt zu machen?

Was, wenn dein Pferd nicht deine perfekte Version braucht – sondern dich?

Deine Fürsorge.

Deine Verlässlichkeit.

Deine ehrliche Anwesenheit.

Unsere Pferde brauchen keinen 24/7 perfekte Pferdemama. Sie brauchen keine Instagram-Perfektion. Sie brauchen Menschen, die hinschauen. Die sich kümmern. Die bereit sind, dazuzulernen. Die Entscheidungen treffen, so gut sie es mir ihrem Wissen und ihren Möglichkeiten gerade können.

Und ja – natürlich tragen wir Verantwortung. Für Fütterng, Haltung, Gesundheit und die Bedürfnisse unserer Pferde. Aber Verantwortung bedeutet nicht, sich selbst ständig zu überfordern. Denn vielleicht vergessen wir bei all unserem Bemühen um das perfekte Pferdeleben manchmal etwas Entscheidendes:

Auch wir sind Teil dieses Lebens. Du darfst einen vollen Alltag haben. Du darfst müde sein. Du darfst Grenzen haben. Du darfst nicht jeden Tag alles schaffen. Und trotzdem kannst du genug für dein Pferd sein. Vielleicht sollten wir uns viel öfter fragen: Nicht „was habe ich heute alles nicht geschafft“, sondern: „Was habe ich heute für mein Pferd getan“? Vielleicht war es das Heu. Vielleicht eine gute Futterentscheidung. Vielleicht ein aufmerksamer Blick. Vielleicht zehn Minuten Ruhe miteinander. Und vielleicht ist genau das heute genug. Nicht perfekt. Aber liebevoll. Verantwortungsvoll. Echt.

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