Wieviel entscheidest du für dein Pferd eigentlich selbst?
„Der ist doch schon 4 und kann noch nichts“
„Das macht man halt so“
„Du musst unbedingt…“
„Also ich würde das ja anders machen“.
Kennst du das?
Kaum hat man ein Pferd scheint es plötzlich unendlich viele Menschen zu geben, die ganz genau wissen, was man tun sollte. Was das Pferd in welchem Alter können muss. Wie man trainieren sollte. Was richtig und was falsch ist. Und manchmal hören wir diese Stimmen so oft, dass wir irgendwann anfangen ihnen mehr zu vertrauen, als unserem eigenen Gefühl.
Wir machen Dinge, weil „man das eben so macht“. Wir vergleichen unser Pferd mit Anderen.
„Die geht in dem Alter schon Turniere“
„Der müsste eigentlich schon viel weiter sein“
Aber… muss er das wirklich?
Dein Pferd muss nicht denselben Weg gehen wie das Pferd von nebenan. Und nur, weil etwas bei jemand Anderem funktioniert bedeutet das nicht automatisch, dass es für euch das Richtige ist. „Das hat bei meinem letzten Pferd auch funktioniert“. Aber dein Pferd ist nicht dein letztes Pferd. Es ist ein Individuum. Mit seinem eigenen Körper, seinem eigenen Charakter, seinen eigenen Bedürfnissen und seinem eigenen Tempo. Natürlich tragen wir Verantwortung. Wir müssen uns Wissen aneignen. Wir müssen hinterfragen, ob unser Training, unser Equipment und unser Umgang mit dem Pferd ihm tatsächlich guttun. Wir dürfen nicht einfach alles mit „Das macht man halt so“ begründen. Aber Verantwortung bedeutet eben auch, nicht jeden Ratschlag anzunehmen. Im Gegenteil. Vielleicht bedeutet verantwortungsvolles Handeln manchmal sogar den Mut zu haben NICHT mitzumachen. Nicht jede Trainingsmethode zu übernehmen, nicht jeden Trend mitzumachen, nicht jedes Ziel verfolgen zu müssen. Nicht schneller sein zu wollen nur, weil Andere schneller sind. Und vielleicht bedeutet es auch, den Mut zu haben, Dinge ganz anders zu machen. Weil DU und DEIN Pferd damit glücklich seid.
Ihr wollt ausreiten gehen? Dann geht ausreiten. Ihr habt Spaß an Dressur? Dann macht Dressur? Ihr liebt Bodenarbeit? Wunderbar. Ihr wollt ein Turnierziel verfolgen? Auch das darf euer Weg sein. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, der für jedes Pferd und jeden Menschen funktioniert. Aber es gibt den Weg, der zu euch passt. Und genaueshalb finde ich es so wichtig, dass wir uns viel öfter fragen: Warum mache ich das eigentlich? Tut das meinem Pferd wirklich gut? Passt es zu unserem Ausbildungsstand und unserem Alltag? Macht es uns Beiden Freude? Oder mache ich es nur, weil es alle Anderen auch machen? Du darfst dich informieren, du darfst Andere um Rat fragen, du darfst Experten zuhören. Aber du darfst anschließend auch selbst entscheiden. Denn am Ende musst nicht du mit dem Pferd von nebenan glücklich werden. Du musst mit deinem eigenen Pferd euren Weg finden.
